Wie schützt man sich vor Hundehändlern (neu)

In der heutigen Zeit gar nicht mehr leicht und dennoch fallen viele Menschen immer wieder auf Hundehändler rein, die ihre Hunde aus … weiß der Kuckuck woher nach Österreich bringen, um sie dort zu verscherbeln. Den Kofferraumverkauf gibt es zwar noch, aber Gesetze, wie jene in Österreich, wo es nur noch gemeldeten Züchtern erlaubt ist, Tiere auf Internetseiten zu inserieren, haben diesem einen Riegel vorgeschoben. Doch die Hundehändler haben sich darauf eingestellt und andere Wege gefunden. Die Wege nennt man dann „Partnerschaft“. Man findet jemanden, der in Österreich ansässig ist und der sich als Züchter bei der Behörde meldet. Damit ist der Weg frei für neue Importe von Hunden, die sonstwo zur Welt kommen, der Mutter viel zu früh weggenommen werden, nach Österreich gelangen, dort geimpft und gechipt werden und dann als Hund aus Österreich verkauft werden. Oder die Tiere sind bereits gechipt und geimpft und der Impfpass wird in Österreich umgeschrieben, damit der Welpe einen österreichischen Impfpass bekommt. (Gilt überdies auch für Deutschland).

So, jetzt sitzt der fünf Wochen alte Welpe bei diesem gemeldeten angeblichen Züchter, der seine Tiere auf Internetportalen inserieren kann. Die Preise werden bewusst tief angesetzt (ist in Deutschland in etwas so wie mit dem Kleinanzeiger ebay), es werden schöne Bilder verwendet, die man irgendwo aus dem Netz gegraben hat und den richtigen Welpen gar nicht zeigen. Damit werden dann Interessenten angelockt, die unbedingt einen Welpen aus Österreichischer Zucht erstehen wollen.

Ein aktueller Fall, der mir berichtet worden ist.

Ein junges Pärchen suchte einen Hund. Es sollte ein kleiner bis mittelgroßer Hund sein und im Netz wurde eine Französische Bulldogge relativ günstig angeboten. Nun, man einigte sich auf diese Rasse und rief dort an. Es war ein „Züchter“ im Burgenland. Er habe mehrere Welpen, die man sich ansehen könne. Die Mutterhündin wäre vor Ort, die Hunde wären entwurmt, geimpft und gechipt, ein Papier hätten sie aber nicht. Das war dem Pärchen auch egal. Also entschied man sich, zu diesem „Züchter“ zu fahren. Zweieinhalb Stunden dauerte die Fahrt. Man kam zu einem ziemlich verwahrlosten Haus. Es sah unaufgeräumt und heruntergekommen aus. Überall bellten Hunde. Mehrere kleine Hunde schossen gleich an den Zaun.

Gut. Es kam ein Herr, der das Pärchen hereinließ und sofort hinter das Haus in den Garten brachte, wo es mehrere Zwinger gab, wo die unterschiedlichsten Hunde untergebracht waren. Hunde vieler Rassen. Teilweise konnte man die Rassen erkennen, teilweise auch nicht. Es gab jede Menge Welpen, auch der unterschiedlichsten Rassen. Der Bereich wo die Welpen untergebracht waren, war mit Sägespänen ausgelegt und im Großen und Ganzen sauber. Es gab eine Schlafbox, die mit Stroh ausgelegt war und eine Wärmelampe. Die Welpen kamen sofort heran und fiepsten um die Beine des Pärchens. Vor lauter Verzückung vergaß man, wie Haus und Garten aussahen, man vergaß den doch ziemlich scharfen Geruch, die vielen Hunde unterschiedlicher Rassen und das leicht heruntergekommene Erscheinungsbild des Anwesens. Es erschien auch noch eine Frau, die den Welpen frisches Wasser gab.

Das Pärchen verliebte sich sofort in einen der Welpen und man dachte nicht lange nach. Man kaufte das Tier. Es gab keinen Kaufvertrag, kein Futter, nichts, nur den Impfpass, den man ihnen gegen den Kaufpreis in die Hand drückte. Fertig. Das Pärchen fuhr mit ihrem neuen Familienmitglied nach Hause und war überglücklich ihren ersten Hund zu haben. Die erste Zeit ging es auch ganz gut. Was dem Pärchen allerdings  auffiel, war die schwere Atmung der Bulldogge, das ständige Rotzen und Niesen und die fehlende Ausdauer. Man hatte sich erkundigt und wusste wohl, dass Franz.Bulldoggen gerne röchelten und rotzten, weil deren verkürzte Nase keine normale Atmung zuließ. Also nahm man das in Kauf, denn … er war ja so süß. Die Beschwerden kamen, als der Hund etwa zwei Jahre alt war. Er ging schleppend, kippte immer mal wieder um. Beim Tierarzt wurde schließlich mehrere kaputte Bandscheiben diagnostiziert und trotz Behandlung ging es dann so weit, dass der Hund irgendwann seine Hinterläufe nicht mehr bewegen konnte. Auch das Schnarchen des Tieres schien immer heftiger zu werden und der Tierarzt meinte, dass es ein vollkommen verzüchteter Hund einer Rasse sei, die sowieso schon starke Probleme hätte, die aber bei dem Hund noch verstärkt auftreten würden. Nun, das Pärchen kümmerte sich noch eine Weile um das Tier, doch als es dem Hund nicht mehr möglich war, Harn und Kot zu halten, entschloss man sich, diesem Dahinvegetieren ein Ende zu bereiten. Das Tier wurde eingeschläfert. Ein harter Schritt für so jeden Hundehalter.

Durch Zufall entdeckte dieses sehr freundliche aber verbitterte Pärchen meine Homepage und meldete sich bei mir. Man merkte, dass sie bei ihrem Besuch sehr vorsichtig waren und „nur schauen“ wollten. Ja okay, kein Thema. Ich zeigte ihnen meine Hunde, sie durften die große Nuka streicheln, die sofort Pfötchen gab und herumbrummte. Sie konnten zu den Welpen rein, ich zeigte ihnen die Mutter, den Papa und sie bemerkten nach einiger Zeit, dass es hier ganz anders war, als wo sie ihren ersten Hund her gehabt hätte und daraufhin erzählten sie mir ihre Geschichte, die ich hier niedergeschrieben habe. Ich sagte ihnen, sie hätten „nein“ sagen und wieder fahren sollen, aber sie sagten: Es war so eine lange Fahrt, wir haben uns so gefreut und wollten unbedingt einen Hund mit nach Hause nehmen.

Ja, verständlich. Das Herz entscheidet, wenn man so einem putzigen Welpen in die Augen schaut und übersieht den Rest. Sie gaben zu, es war ein Fehler, sie haben daraus gelernt, sagten aber, dass das die Masche sei, mit der gewisse „Züchter/Händler“ ihre Hunde an den Mann bringe würden. Günstige Preise, ohne alles. Oft haben die Käufer nicht viel Geld und wollen eben doch einen Welpen. Tierheime sind da oft sehr, sehr kompliziert und deswegen lässt man sich auf diesen Händler ein.

Manchmal erkennt man sie aber auch nicht, denn es ist verdammt schwer, einen Händler von einem richtigen Züchter beim Erstkontakt zu unterscheiden. Man kennt die Leute ja nicht, hat nur die Nummer, den Text auf der Internetseite und die Bilder, die dort gepostet sind.

Und selbst die Meldung bei der Behörde ist keine Garantie dafür, dass der Züchter wirklich ein Züchter oder doch nur ein Händler ist. Vielleicht züchtet er selbst irgendeine Rasse, mag sein, aber nebenbei verhökert man auch Welpen aus Tschibutti. Und wenn Interessenten lange, lange Strecken für ihren Welpen fahren, wollen sie ihn auch mitnehmen.

Wie kann man das jetzt aber im Vorfeld unterscheiden? Gibt es eine Möglichkeit?

Nun, es gibt mal kein Patentrezept. Aber man kann ein paar wenige Dinge beachten.

Heutzutage werden nunmal Welpen im Netz gesucht. Wo sonst findet man seinen Wunschhund? Der Züchter lebt meist nicht um die Ecke.

Bei jeder Anzeige steht meist Text dabei. Finger weg von einem Welpen, wo der Text böhmisch klingt und vor lauter Rechtschreibfehlern strotzt. (Google Übersetzung) Das deutete auf jemanden hin, der wirklich seine Hunde nur verscherbeln will.

Wenn man nun eine Anzeige gefunden hat, die einem seriös vorkommt, mal auf den Preis schauen. Rassewelpen kosten Geld. Wird so ein Welpe ohne Grund (ein Grund könnte ein möglicher Makel sein) sehr billig angeboten, ist was faul. Ich würde es lassen.

Preise raufzusetzen, ist auch für Händler einfach. Nun, wenn ich glaube, etwas gefunden zu haben und dort anrufe, gibt es ein paar Fragen, die man unbedingt stellen sollte, wo man schon ein bisschen filtern kann, um was für einen Züchter es sich handelt.

Hat der Hund Papiere (Ahnentafel)?

Nicht jeder Hund hat sowas und es muss sich dabei um keinen Händler handeln. Es kann ein Zufallswurf sein, oder der Züchter will über keinen Zuchtverein züchten. Das ist in Ordnung, wenn sonst alles passt.

Hat der Hund genetische Untersuchungen?

Ist die Antwort, nein, ich bin Hobbyzüchter, ich habe sowas nicht, würde ich mir überlegen, ob ich so einen Hund will. Jeder Hund kann Gendefekte haben. Ganz wurscht, ob er vom Hobbyzüchter oder vom Standardzüchter kommt. Selbst Mischlinge haben sowas. Seit es diese Untersuchungen gibt, sollte man sie nutzen. Niemand kann wissen, ob der Hund einen Gendefekt trägt oder gar hat. Züchtet man, sollte man sich auch mit der Vererbungslehre etwas beschäftigen, dazu muss man nicht hochintelligent sein, sondern nur etwas Interesse zeigen. Genuntersuchungen kosten allerdings Geld und das ist das, was Händler vermeiden wollen. Unnötiges Geld in die „Zucht“ investieren. Und auch ein Hund aus Hobbyzucht hat das Recht auf Gesundheit.

Hat der Hund ein DNA-Profil?

Die meisten haben es nicht und das unterscheidet den Händler ganz stark von einem Züchter, der eine fundierte Zucht betreibt. Wer sagt denn, dass die Mutterhündin wirklich die Mutterhündin ist und der Vaterrüde wirklich der Vaterrüde? Du als Käufer musst das glauben, was dir der Züchter erzählt, ein DNA-Profil beweist es. Dazu braucht aber die Mutterhündin ein Profil, wie auch der Vaterrüde ein Profil braucht, dann kann ein Labor einen Abgleich machen, ob der Welpe wirklich der Nachkomme dieser beiden Hunden ist. Man könnte nachfragen, welches Labor das gemacht hat und dann beim Labor anrufen, ob der angegebene Züchter wirklich der Züchter ist, dem man vertrauen möchte. Wir nutzen das Labor „Feragen“ und der Name „Kien“ ist dort bekannt. Jeder unserer Hunde ist dort gespeichert und jeder Welpe erhält sein Profil mit Abstammungsgutachten. Dieses DNA-Profil ist ein genetischer Fingerabdruck, und genau wie bei Vaterschaftstest beim Menschen, kann man herausfinden, ob die angegebenen Eltern auch die biologischen sind.

Somit ist gewährleistet, dass in der Rassehundezucht wirklich der Deckrüde die Hündin gedeckt und nicht ein anderer Rüde mitgemischt hat, da eine Hündin durchaus von zwei oder drei verschiedenen Rüden tragend werden kann, wenn sie während einer Läufigkeit von mehreren Rüden gedeckt wurden.

Wer jetzt noch fragt, warum ein Rassewelpe so viel Geld kostet, kann sich das selbst zusammenrechnen. All diese Dinge kosten den Züchter Geld, Geld, das sich der Händler sparen möchte und deswegen billige Welpen verhökert.

Zudem sollte man sich als Interessent etwas Gedanken über die Rasse machen, die man haben möchte. Kurznasige Rassen haben ihr Leben lang Probleme mit der Atmung, zu große Köpfe, sodass sie oft per Kaiserschnitt entbinden müssen und oftmals können die Hündinnen auch nicht auf natürlichem Weg belegt werden, weil ihr gedrungener Körper das nicht zulässt. Collierassen oder Rassen mit dem Merlefaktor (bunt gesprenkelte Hunde) können grundsätzlich gesundheitliche Probleme bekommen, weil sie viele Erbkrankheiten, gerade der Augen, mit sich herumtragen. Zudem ist der Merlefaktor kein Farbgen, sondern ein Defektgen, aber weil die Hunde so hübsch bunt ausschauen, kauft man sich einen, ohne sich zu informieren, was der Merlefaktor alles auslösen kann. Genauso verhält es sich mit dem Dilutiongen. Das Aufhellungsgen, das silberne Labradore, silberne Dobbermänner oder auch silberne Bulldoggen macht. Diese Hunde sind meist teuer, weil sie so eine seltene Fellfarbe haben, aber sie sind nicht selten auch teuer in der Unterhaltung, weil dieses Gen in Kombination mit anderen Genen allerhand gesundheitliche Probleme verursachen kann. Ein seriöser Züchtet lässt die Finger von silbernen Hunden und sollte vielleicht auch die Finger vom Merlefaktor lassen, stattdessen werden sogar Rassen wie der Labrador mit Aussies eingekreuzt, um bunte Labradore zu erhalten. Man nehme einen gesunden schwarzen Labi und fügen ihm ein Defektgen zu, damit der mit all den Problemen (allen voran, Taubheit, Blindheit, Ekzeme, organische Schäden, Epilepsie) zu kämpfen hat. Manche Gedankengänge sind schon sehr schräg.

Weiters könnte man den Züchter auch noch fragen, ob er eine Homepage hat. Homepagen können sehr informierend sein und zeigen, wie viel Mühe sich der Züchter macht. Ein Händler wird für seine Welpen aus Hinterscheissleiten kaum eine Homepage haben. Eine Homepage sollte immer liebevoll gestaltet sein und die Liebe des Züchters zu seinen Tieren wiederspiegeln.

Hat der Züchter so rein gar nichts anzubieten, außer einen Impfpass und einen billigen Welpen, muss man damit rechnen, die Katze im Sack zu kaufen.

Dann sieht man Welpen, die von Menschen im Fressnapf herumgetragen werden und noch einen blauen Stich in den Augen haben, was auf ein sehr geringes Alter hindeutete. Man wird auch immer wieder Menschen antreffen, die ihren Hund aus Rumänien, Ungarn oder sonstwo herholen, weil er sonst angeblich eingeschläfert worden wäre und bemerken dabei nicht, wie einfach es ist, jemanden an der Nase herumzuführen.

Wir suchen dringen einen Platz, sonst werden alle Welpen getötet.

Ein beliebter Satz, der auf FB immer wieder Wirkung zeigt. Man muss dort einen Hund retten. Dort wird nix gerettet, sondern verhökert, denn kaum ist der eine Hund weg, kommt schon der nächste nach, wieder eine Dramageschichte, wieder eine Drohung. Es wird sich schon jemand finden und dann landen Welpen beim Tierarzt am Tisch, die illegal über die Grenze gebraucht wurden, nicht geimpft und auch nicht gechipt sind, vor lauter Würmern nur so husten und Flöhe haben, dass a Freund is. Was so ein Hund sonst noch so alles mitbringt, will man gar nicht wissen, aber Hauptsache er wurde gerettet.

Nebenbei noch ein Wort zu Facebook. Facebook ist ein sehr bewegliches Medium. Schnell wird ein Hund gepostet, schnell wieder gelöscht. Man weiß oft nicht woher der Hund kommt, warum er abgegeben wird, und, und, und. Sich einen Hund über Facebook zu suchen, ist ein Lotteriespiel. Es gibt Züchter, die haben ihren Zuchtseiten auf FB, was auch in Ordnung ist. Aber es gibt da auch sehr schwindlige Anzeigen von überall her. Ich persönlich lösche sie, denn nicht jeder Hund, der dort angeblich dringend einen neuen Platz sucht, weil so arm, weil er sonst getötet wird … braucht ihn wirklich. Ob man wirklich etwas Gutes damit tut, einen Hund aus Rumänien oder Bulgarien zu retten, die sich auf der Straße vermehren, wie die Kaninchen, sei dahingestellt. Persönlich würde ich die Finger davon lassen, denn mit diesen Hunden werden auch sehr viele Krankheiten und Parasiten importiert, die wir hier wirklich nicht brauchen können.

Vielleicht ist dies nur so ein Leitfaden, sich ein wenig besser zu orientieren und sich über den nächsten Rettungsversuch oder den Kauf eines Billigwelpen Gedanken zu machen. Welpen aus gutem Hause kosten nunmal Geld, denn das ganze Rundherum kostet auch viel, viel Geld. Viele Menschen wollen einen gesunden Hund, sie wollen betreut werden, sie wollen Infos, sie wollen alles … was sie aber oft nicht wollen, ist Geld dafür zu bezahlen. Und die Unverbesserlichen schicke ich weiterhin nach Ungarn auf den Tiermarkt, wo sie sich um 150,- Euro einen viel zu jungen Welpen irgendeiner Rasse kaufen und dann stolz sagen können, mein Hund war billig.