Mein Welpe aus der Hobbyzucht

„Ich bin nur Hobbyzüchter, ich mache das nicht“, war die Antwort auf die Frage bei einem Züchter, ob er seine Hunde auf genetischen Krankheiten hin überprüfen lässt. Irgendwie niedlich. Da ist man Hobbyzüchter, knallt einfach zwei Hunde zusammen, erzeugt Welpen und verkauft die dann unter dem Deckmantel der Hobbyzucht. Nicht wissende Hundekäufer kaufen sich so einen Hund und peng … der Hund hat DM oder leidet unter dem MDR 1 Gendefekt oder hat eine Fellfarbe, die ja super schön ausschaut, aber leider ist der Hund taub, nahezu blind, leidet an Epilepsie, hat zehntausend Allergien und was sonst noch in Hundekreisen so rumspukt. Oftmals kaufen Menschen sogar einen Hund, bei dem die angegebenen Eltern nicht die biologischen sind. Es wird ihnen erklärt, das ist Mama, das ist Papa oder Papa lebt sowieso ganz woanders. Gut, man muss es glauben, geht gar nicht anders, aber ich wage zu wetten, dass es selbst bei der von manchen heißgeliebten FCI Welpen gibt, die nicht von den angegebenen Eltern sind, nachdem man dort aber keine DNA Profile erstellt, kommt man auch nicht dahinter.

Ein Welpenkäufer wird also manchmal, Gott sei Dank nicht immer, aber manchmal von Strich bis Faden verarscht. Hinzu kommen unsere lieben Hundehändler aus dem Osten, die einen Interessenten an eine österreichische Adresse locken. Man fährt hin, in dem guten Glauben, es handelt sich um einen Züchter, um dann zu bemerken, dass es nur ein Treffpunkt war. Der Hund wird aus der Slowakei oder aus Ungarn nach Österreich gebracht, wo man ihn dann übernehmen kann. Ob dieses Wesen dann wirklich der Rasse entspricht, ob er wirklich geimpft wurde und ob er nicht aus einer Vermehrungsstation kommt, sei dahingestellt. Man kann es nicht überprüfen und die meisten Menschen nehmen dann diesen Welpen mit, weil man doch schon so weit gefahren ist. Oftmals sind diese Hunde billig. Ich kann nur immer wieder dazusagen. Bei einem Rassehund, den man um 500,- oder 600,- Euro bekommt, stimmt was nicht. Eine gute Hundezucht kostet nunmal Geld. Der Kauf der späteren Zuchthündin kostet Geld, die Aufzucht dieser kostet, genauso wie Vorsorgenuntersuchungen kosten. Der Decksprung kostet, oft nicht wenig. Wird die Hündin tragend, kann auch die Geburt Geld kostet. Die Aufzucht kostet … nicht wenig. Oftmals wird die Arbeit gar nicht mit einberechnet, denn Welpen großziehen macht man nicht so nebenbei. Man wäscht, putzt, trocknet, macht dies und jenes, um wieder von vorne anzufangen. Hündin und Welpen verschlingen gigantische Mengen An Futter (wenns net grad ein Chi ist), dazu kommen Impfung, Chip, Entwurmung, Papiere und eben das DNA-Profil, wenn es gemacht wird. Wie soll sich das alles mit 600,- Euro ausgehen? Das geht nicht. Zudem höre ich immer wieder, dass ein Züchter an seinen Welpen nicht verdienen darf. Nun, ich frage mich zwar immer wieder, warum eigentlich nicht, das ist ja nicht verboten …. Grundsätzlich ist man aber froh, wenn man als Züchter zumindest kostendeckend arbeitet. Fließt mehr Geld in die Zucht hinein, als rauskommt, wird man es bald lassen. Ja, es kann ein Hobby sein, es auch bleiben, dennoch … auch Welpen aus einer Hobbyzucht haben ein Recht auf Gesundheit und Welpenkäufer haben ein Recht auf Ehrlichkeit. Werden Mischlinge als Rassehunde vertickt, ist das nicht in Ordnung. Man kann Mischlinge durchaus verkaufen, keine Frage, aber sie sollten auch als Mischlinge angegeben werden. Nicht anerkannte Rassen zu züchten und zu verkaufen, ist auch okay, wenn man bei der Wahrheit bleibt. Ein Altdeutscher Schäferhund oder ein Harzer Fuchs sind eben nicht anerkannte Hunderasse, die ich schön finde, dir mir durchaus gefallen, denn ein Welpe aus einer nicht anerkannten Hunderasse hat durchaus seine Berechtigung. Wer eine anerkannte Rasse haben will, banal gesagt, einen Pudel oder einen Dackel oder auch einen Labrador, kann sich diese ja bei den verschiedenen Züchtern holen. Dennoch ist überall ein wenig Wissen gefragt.

Ein DNA-Profil gibt Aufschluss darüber, ob die Eltern eines Welpen wirklich die biologischen sind. Diese Profile werden von Laboren erstellt. Auch das Vatertier und die Mutter brauchen so ein Profil, damit ein Abgleich erstellt werden kann. Dann ist die Elternschaft einwandfrei bewiesen.

Anders sieht die Sache mit den Gendefekten aus. Niemand weiß, was so ein Hund trägt. Auch wenn der Tierarzt sagt, der Hund ist gesund, kann er etwas tragen und weitervererben, was niemand sieht. Es ist ein Unterschied, ob ein Hund ein Trägertier einer Krankheit oder einer Farbmutation ist, oder ob er betroffen ist. Ein Gen besitzt jeweils die Erbinformation des Vatertieres und des Muttertieres. Wird eine Krankheit oder eine Farbmutation rezessiv vererbt, müssen Vater und Mutter zumindest Träger (nicht betroffen) dieses Defektes sein, damit ein kranker Welpe entsteht. Die Welpen aus so einer Anpaarung müssen nicht alle krank werden, aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass zumindest 25%, also ein Viertel des Wurfes betroffen ist. Natürlich könnte es auch mehr erwischt haben. Um dem aus dem Weg zu gehen, gibt es Genanalysen, um festzustellen, ob mein Hund Träger einer Krankheit oder einer Farbmutation ist oder nicht. Wird ein Defekt dominant vererbt, reicht ein Trägertier, damit ein kranker Welpe entsteht.

          

Das Merle Gen lässt diese Farbe entstehen               Ein Doppelmerleträger nahezu

ohne Augen.

Genauso verhält es sich mit Fellfarben. Der Merlefaktor (bunte Farben beim Australien Shepherd, Collie, Catahoula, wie auch bei anderen) sind zwar beliebt, aber nicht ohne. Zwei Merleträger zu verpaaren, ist nicht nur verboten, sondern bringt kranke Welpen mit. Sie können taub oder blind (das Fehlen der  Augen ist schon vorgekommen) sein, schwere Allergien haben, an Epilepsie leiden, weil der Merlefaktor generell ein Defekt und keine Farbe an sich ist. Nachdem es Menschen aber gern bunt mögen, hält sich dieser Faktor in vielen Hunderassen. Ein Merletiger soll immer nur mit einem normalfärbigen Hund verpaart werden, wobei selbst bei dieser Anpaarung nicht sicher ist, ob die Welpen wirklich gesund sind, da selbst bei heterozygoten Tieren, also Tiere mit nur einem Merle-Gen, doch viele taube Hunde dabei sind.

Gleiches mit dem Harlekin-Gen. Das Harlekin-Gen ist ein Merle Gen das in Kombination mit anderen rassespezifischen Genen auftritt. Es sorgt für den sogenannten Grautiger. Sie zeigen grauschwarze Flecken auf weißer Grundfarbe.(Deutsche Dogge) Welpen, die das Harlekingen homozygot tragen, gibt es nicht. Sie sterben schon im Mutterleib ab. Heterozygote Tiere haben sehr oft Beeinträchtigungen im Bereich der Sinnesorgane, wie alle, die das Merle-Gen in sich tragen.

Farbe Harlekin

Die nächste brisante Fellfärbung ist „blau“, die immer mal wieder auftritt, für schön befunden und weitergezüchtet wird, ohne sich über den Hintergrund Gedanken zu machen. Die genetische Grundlage dieser Farbe ist das Verdünnungs- oder Dilution-Gen. Dieses Gen ist eine richtig miese Gurke, die beim Hund zu massiven Störungen führen kann, aber nicht muss. Es gibt Rassen, wie der Weimaraner, die dieses Gen tragen, somit von blauer Farbe sind, aber frei von Genen sind, auf die das Dilultion-Gen anspricht und Störungen verursacht. Anders als beim Dobermann oder dem kleinen Pinscher, bei dem die Störungen über schweren Allergien bis hin zum kompletten Haarausfall führen können. Meist ist die Haut schwer betroffen. Entzündungen, Schorf, kahle Stellen, eitrige Pickel. Die Haut und das Fell sind auf gut Deutsch im Eimer und man kann dem Tier nicht helfen, da diese Störung in den Genen sitzt und nicht einfach so passiert.

Dobermann in „blau“.

Ähnlich verhält es sich mit dem „Silber“ beim Labrador. Natürlich kann ein silberner Labrador durch die Laune der Natur durchaus mal entstehen, wenn aber mit diesen Hunden ohne nachzudenken weitergezüchtet wird, weil sie einfach „nett“ ausschauen, kann es Probleme geben. Es zeigt sich wieder in Immunschwäche und in Hauterkrankungen. Nachdem die Farbverdünner aber meist an andere Gene gekoppelt sind, bleibt abzuwarten, ob das silberne Tier nun erkrankt oder nicht. Oft hängen an diesen Verdünnern auch andersfarbige Augen. Grün, grau, blau.

Labrador in „Silber“

Es werden oft Welpen als „schön“ oder „bildhübsch“ oder auch als „andersfärbig“ verkauft, die Leute nehmen sie, weil die Farbe so toll ausschaut und habe keine Ahnung, dass an dieser Farbe oft ein paar andere Dingen hängen, die aber keiner haben will. Jetzt kann man aber von keinem Normalverbraucher oder Hundefreund erwarten, dass er sich in Sachen Genetik auskennt. Das ist Sache des Züchters, der sich da dahinterklemmen sollte, um nicht unbewusst Hunde zu züchten, die genetisch krank sind. Man kann einen Hund noch so gut und ordnungsgemäß großziehen, ihm alles geben, und, und, und, wenn er genetisch krank ist, kann man ihn nicht heilen.

Jetzt gibt es aber Labore, die vieles schon analysieren und einem sagen, was der einzelne Hund trägt und was nicht. Ist ein Hund Träger eines Defektgens oder einer Farbe, die in der Zucht nichts verloren hat, dann sollte man ihn nicht mit einem Trägertier verpaaren. Habe ich einen blauen Dobermann, so hat der generell nichts in der Zucht verloren und sollte irgendwann kastriert werden.

Leider passiert es immer wieder, auch bei anderen Rassen, dass Menschen zwei Hunde nehmen, sie miteinander verpaaren, ohne sich Gedanken darüber zu machen, was der Hund vererben könnte. Viel taube und blinde Hunde, Hunde mit Verhaltensstörungen (mit Vorsicht zu genießen), mit Allergien oder mit Krankheiten, die an Farbgenen hängen, müssten nicht sein, wenn sich die Züchter etwas mehr Gedanken machen würden. Das passiert aber nicht. Es wird immer noch Merle x Merle verpaart, genauso wie man silberne Labradore miteinander verpaart, um wieder das begehrte Silber zu erhalten. Meines Wissens gibt es sogar Zuchtverbände, die Anpaarungen erlauben, die hierzulande verboten sind und wo kranke Welpen sofort getötet werden. Ich frage mich … macht das Sinn???

Die Farbe eines Tieres diente früher der Tarnung und des Schutzes. Je nachdem, wo Tiere auf dieser Welt leben, haben sie sich mit ihrer Fellfarbe angepasst. Ein schwarzer Eisbär würde bei der Jagd vermutlich auffallen. In heißen Gegenden mit spärlichem Bewuchs findet man eher rötliche Farben, während im Wald eher die Wildfärbung zu finden ist. Beutetiere wollen nicht so schnell gesehen werden und auch der Jäger will nicht auffallen. Bunte Farben sind vom Menschen gemacht, weil sie gefallen. Ich persönlich kann die Welt nicht ändern, aber ich kann zumindest vielleicht den ein oder anderen Züchter erreichen, der sich etwas mehr Gedanken machen möchte, als nur Männlein und Weiblein zu verpaaren und sie „aus Hobbyzucht“ zu verkaufen. Nein, man kann nicht immer alles wissen, das ist schon richtig. Aber man kann lernen und je mehr man weiß, desto mehr Fehler kann man vermeiden.