Der Hund – Sondermüll

Der Hund – Sondermüll

 

Was soll das jetzt, werden sich viele denken. Hunde sind doch kein Sondermüll. Tickt Sandy jetzt nicht mehr richtig? Doch, doch, ich ticke noch richtig. Und in einem haben alle recht. Hunde sind wahrlich kein Sondermüll, aber vielfach wird es so gehandhabt. Als Züchter hat man einen anderen Blickwinkel. Man kommt mit vielen Menschen in Berührung. Mit solchen, die wirklich mit Hunden umgehen können und den Hund als Hund sehen. Solche, die ihren Hund verhätscheln, vertätscheln und vermenschlichen und dabei nicht bemerken, dass der Hund unter der nicht artgerechten Behandlung eigentlich leidet. Dann gibt es welche, die holen sich ihr Wissen aus siebenhundert Lehrbüchern, schrauben sich irgendwas zusammen, verwenden leider den Hausverstand nicht mehr, aber nutzen ihr neu erkorenes Wissen am Hund, was funktionieren, aber eben auch nicht funktionieren kann. Ich komme auch mit „Fachleuten“ in Kontakt, solche, die das hündische Wissen geerbt oder zumindest mit dem Suppenschöpfer geschluckt haben. Die mindestens alles wissen und wenn das nicht reicht, wissen sie eben Dinge, die sonst niemand weiß. Es gibt auch Hundeanfänger,  solche, die neu anfangen, sich manchmal gar nicht so recht wagen, denn von allen Seiten kommen dann von den „Wissenden“ die Abmahnung, ob man sich das schon gut überlegt hat, ob man weiß, wieviel Arbeit das das ist, ob man schon weiß, wie gefährlich das ist, und, und, und. Eine Dame erzählt mir: Als sie bekannt gab schwanger zu sein, hat ihr jeder gratuliert, sie umarmt und sich mit ihr gefreut. Niemand hat sie darauf hingewiesen, ob es schon eine gut Entscheidung war, ob sie wisse, wieviel Arbeit und Verantwortung das ist und Kinder können die Nerven bis auf ein gefährliches Maximum spannen. Da stellte sich ihr die Frage … ist ein Hund um so viel komplizierter?

Nun, der Hund ist nicht kompliziert, es ist der Mensch, der alles kompliziert macht. Gesetze zwingen uns dazu, unseren Hund wegzusperren, anzubinden, mit Maulkorb zu versehen und es gibt sogar ein Gesetz, welches besagt, wie lange ein Hund am Tag bellen darf. Aber Hundehalter wissen auch oft nicht mehr, dass ein Hund ein Hund ist. Er stammt ursprünglich vom Wolf ab, ein Jäger, einem Beutegreifer, der tötet, um zu überleben. Wölfe laufen viel, um ihre Beute zu kriegen und haben genug Kraft und Gemeinschaftssinn, um diese Beute auch zu töten. Es sind hochintelligente Jäger mit eigener Familienstruktur, denn sie können nur gemeinsam überleben. Allein ist es zwar nicht unmöglich, aber bedeutend schwieriger.

Nun, unsere Hunde haben sich uns angepasst. Die meisten Hunde leben allein in ihren Familien und jeder Mensch hat so seine Vorstellung, wie der Hund zu sein hat. Lieb, nett, kinderlieb, er soll auf gar keinen Fall jagen, schon gar nicht töten, er sollte vielleicht auch kein Fleisch fressen, keine Parasiten haben, aufs Wort gehorchen und bittschön mitdenken, vielleicht sogar den Schlüssel aufheben, wenn er runtergefallen ist. Draußen soll er nicht auffallen, artig an der Leine gehen, nicht ziehen, nicht bellen, nicht keifen, nicht pinkeln, schon gar nicht gegen Hauswände und Autos, nicht furzen, nicht rülpsen, nicht am Hintern von anderen Hunden riechen …. ah, andere Hunden dürfen gar nicht betastet werden, außer man ist in der Hundezone, da wird dann grundsätzlich alles freigelassen, was vier Pfoten hat, nach dem Motto: Vertragts euch, die Sonne scheint!

Aber was, wenn der Hund nicht dieser Vorstellung entspricht und alles anders macht, als man es eigentlich will.

Er zieht an der Leine wie der Henker, gebärdet sich wild, wenn er einen anderen Hund sieht, markiert überall und bespritzt alles, leckt sogar Pipi anderer Hunde auf, frisst Unrat und totes Viehzeug, bellt im Garten komplett grundlos, beißt sich durch Zäune, springt drüber, buddelt sich unten durch und haut ab, ist unfolgsam, springt an jedem hoch, schnappt nach Fingern und auch nach dem Gesicht, ist vielleicht sogar aggressiv, zeigt die Zähne und ist in der Hundezone so gar nicht verträglich, wird sogar läufig und shit … auch gedeckt, frisst Fleisch und pfeift auf gesundes Gemüse und Obst, zerfrisst den Teppich, breitet sich auf der Couch aus, klaut den Braten vom Tisch und macht auch sonst Dinge, mit denen man einfach nicht gerechnet hat.

Natürlich macht ein Hund nicht das alles auf einmal. Aber es gibt eben Hunde, die nicht so nett, lieb und brav sind, wie es sich die Besitzer wünschen, sondern ihn zur Weißglut treiben.

Ich persönlich war und bin der Meinung, es gibt keine Probleme, es gibt nur Lösungen. Hunde können nicht immer alles richtig machen, da sie nicht wissen, was richtig und falsch ist. Sie machen das, was ihnen gerade einfällt, ist es zielführend, macht man es eben wieder. Die sogenannten Problemhunde haben eigentlich kein Problem, es sind Menschen, die eines daraus machen. Ist ein Hund ein Leinenrowdy, hat er kein Problem, sondern der Mensch hat eins. Der Hund weiß nicht, dass das, was er tut ein Problem ist. Er findet es lustig, warum auch immer.

Fakt ist aber: Immer mehr Hunde wandern ins Tierheim oder gehen zurück zum Züchter, wenn Probleme auftauchen, da sich sehr viele Besitzer nicht mehr die Mühe machen, mit diesem oft selbst erschaffenen Problem umzugehen und eine Lösung zu finden, die für den Besitzer passt. Ob sie für den Hund passt, ist zweitrangig, denn ganz ehrlich, ich frage nicht, ob es Hund gefällt, wenn ich ihm etwas verboten habe, sondern will, dass er es akzeptiert. Verbiete ich dem Leinenrowdy ein Leinenrowdy zu sein, wird es dem Hund vermutlich nicht passen, aber mir, als Besitzer, das Leben erleichtern. Nun, viele Menschen machen sich diese Mühe allerdings nicht mehr. Und die Gründe, warum Hunde zurückgegeben werden, sind manchmal äußerst einfach.

 

Hund springt über den Gartenzaun und bleibt während der Abwesenheit des Besitzers nicht zuhause.

Hund springt hoch, schnappt nach dem Gesicht oder den Fingern in nicht bös gemeinter Absicht.

Hund zerstört Dinge.

Hund macht grundsätzlich zu viel Dreck.

Hund mag andere Hunde nicht.

Hund mag andere Menschen nicht.

Hund verliert zu viele Haare.

Hund jammert, wenn er allein ist.

Hunde sabbert beim Autofahren.

usw …

 

Es würde eine Endlosliste werden, wenn ich alles aufzähle, über was sich Menschen beschweren. Und als Züchter ist man meist Schuld, da der Hundebesitzer einen Schuldigen sucht, einen Grund, warum der Hund ein Arschloch ist (Aufzuchtbedingungen beim Züchter), warum der Hund irgendwas nicht mag (es könnte die Anpaarung schuld sein) und wenn der Hund grundsätzlich anders ist, als man es sich vorgestellt hat, dann stimmt was mit der Rasse nicht.

Wenn diese Menschen den Fehler mal bei sich selber suchen würden, wäre es wesentlich leichter, denn mein persönlicher Zugriff endet, wenn der Hund mein Haus verlässt und wenn der neue Besitzer nicht in der Lage ist, dem Hund zu erklären, was er darf und was er nicht darf, wie was wann wo funktioniert, dann kann ich schon mal gar nichts dafür. Aber es ist wesentlich leichter, den Fehler beim Züchter zu suchen, als bei sich selbst.

Wird so ein Hund zurückgegeben, soll das bitte über Nacht passieren. Niemand fragt, ob man Platz hat, ob es geht und ob es möglich ist. Es werden einem Hunde sogar vor die Tür gesetzt, wie der jüngste Fall gezeigt hat, nur damit er schnell, schnell entsorgt ist. Ich weiß nicht, was Menschen dazu bewegt, Hunde wie Sondermüll zu behandelt, der sofort weg muss. Ob er womöglich ansteckend ist?

Wer einen Hund übernimmt, übernimmt Verantwortung, muss aber damit rechnen, dass nicht alles immer schön ist. Natürlich kann so ein Hund was kaputt machen, was anstellen, sogar jemanden beißen und nicht das liebe Stofftier sein, das man sich vielleicht vorgestellt hat. Aber die Zeiten sind schon lang vorbei, wo man an den Hausverstand appelliert hat. Der wird nicht mehr eingesetzt. Es gilt der Weg des geringsten Widerstandes und macht so ein Hund gröberen Widerstand, entledigt man sich ihm möglichst schnell, sehr oft auch egal wie, damit man sich nicht weiter den Kopf über ihn zerbrechen muss. Diese Menschen werden immer mehr und ich frage mich, wo das hinführt, denn wenn schon Hunde wieder Sondermüll behandelt werden, wie schaut es dann bei Kindern, Partnern, bei anderen Menschen oder gar mit anderen Lebewesen aus? Es wird zwar immer und immer wieder Tierschutz gebrüllt …ja, wenn man selbst nicht involviert ist, aber vor der eigenen Haustüre wird es nicht gelebt. Es ist nur zu hoffen, dass jene Menschen nicht aussterben, die die Herausforderung Hund annehmen und es durchziehen, egal wie groß der Widerstand ist.

Hund mit Zubehör vor Tierheim in der Nacht entsorgt.