Der Hund, diese Bestie

Der Hund, diese Bestie!!!

 

Schon gehört? Vor etwa drei Wochen griff ein Rottweiler ein Kleinkind an, nachdem er sich von der Leine losgerissen hatte, und verletzte es schwer. Drei ganze Wochen dauerte der Kampf ums Überleben, bei dem die Eltern bibbernd am Bett ihres Kindes gesessen und gebangt haben. Vergebens. Das Kind verstarb.

Heute in den Nachrichten: Zwei American Bullterrier, ich vermute mal Staffordshire Bullterrier oder Pitbullterrier griffen die Mutter des Besitzers an, nachdem sie im Garten gestürzt war. Die Hunde hatten nichts Besseres zu tun, als auf die alte, wehrlose Frau loszugehen. Ihr Ehemann, der gerade im Garten mit Einwinterungsarbeiten beschäftigt war, eilte ihr zu Hilfe und schaffte es, die beiden Hunde in den Zwinger zu sperren. Beide erlitten schwere Bissverletzungen …

 

Was ich immer wieder lese: Schuld sind die Menschen, der Hund ist immer unschuldig. Er wurde falsch behandelt, vermutlich geschlagen. Rottweiler sind die besten Familienhunde. Nie wieder ohne meinen Rottweiler, und, und, und … Für mich eine Katastrophe, wie wenig Anteilnahme manchmal dem Gebissenen gehört. Ein Kind wurde von einem Hund totgebissen!!!

Dann kommt: Ah, die war alkoholisiert, kein Wunder.

 

Jeder weiß, dass ich ein sehr großer Hundefreund bin, dass ich beherzt ziemlich verrückte Sachen mache, wenn es um Hunde geht. Ich halte viele Hunde, ich halte sie im Rudel und ich bin glücklich mit meinem Rudel.

Was ich aber keinesfalls akzeptiere, ist ein Hund, der sich mutwillig einen Schwächeren oder Wehrlosen sucht, um seinen Frust an ihm auszuleben, ganz egal, wie der Frust auch entstanden sein mag.

Wir leben in einer Zeit, wo ich die Wörter „artgerechte Hundehaltung“ nicht mal mehr schreiben möchte, denn es grenzt an hirnverbrannte Idiotie, was wir machen und betreiben und was für Gesetze wir haben.

Lasst mich mal ausholen. Kettenhaltung von Hunden – verboten. Zwingerhaltung von Hunde – nur wenn der Zwinger groß genug ist, also bei großen Hunden 15m2 aufwärts (Bei Pferden, zig mal größer und schwerer, reicht aber eine 9 x 9 Meter Box). Kettenwürgehalsbänder – verboten. Ein Wunder, dass ein normales Halsband erlaubt ist. Dem Hund „Gewalt“ (ein Wort mit vielen Facetten) anzutun – verboten. Frei laufen lassen – im Orts und Gemeindegebiet – verboten. Das Geschäft des Hundes liegenlassen – verboten und das Bellen und Heulen, wenn er allein ist, wird ebenfalls nicht gerne gehört, sperrt man den Hund dann in eine Box, damit er sich mit dem Alleinsein auch mal abfindet, wird man erneut zum Straftäter.

Wir wollen heute Hunde, die am Brustgeschirr Gassi geführt werden, die lieb zu Gott und der Welt sind, die sofort als verhaltensauffällig eingestuft werden, wenn sie in die verkehrte Richtung schnorcheln und die resozialisiert werden müssen, sollten sie neben wau wau auch mal die Zähnen gezeigt haben. (Und wenn diese Zähne dann auch noch ein Kaninchen nach erfolgreicher Jagd mit nach Hause gebracht haben, ist der Hund vermutlich reif für den Psychiater …. ääähhhh, das Antijagdtraining).

Dazu kommt eine chaotische Bandbreite an Hundebesitzern, die die Weisheit sowieso mit Löffeln gefressen haben und unterwegs sind, um andere Hundebesitzer zu missionieren. „Lassen Sie Ihren Hund einfach frei, die machen sich das schon aus.“ „Meiner tut nix.“ „Ihr Hund ist bissig, dann wurde er nicht sozialisiert.“ „Ach, da passiert schon nichts.“ „Die wollen doch nur spielen.“ „Sie sollten dieses und jenes verwenden und dies und jenes füttern und dies und jenes so handhaben.“

Man ärgert sich manchmal schwarz, wenn so ein Missionar dahergelaufen kommt, seinen Hund selbst nur sehr mangelhaft unter Kontrolle hat, aber dann meint, dass genau der nichts tut … ist eben nur wild. Das Brustgeschirr gibt absolute Sicherheit und das röhrende Geknurre flößt tiefes Vertrauen ein.

Jetzt kommt das Tüpfelchen auf dem I. Man möchte eine flächendeckende Beißkorbpflicht für alle Hunde, um Übergriffe auf Menschen, wie sie immer mal wieder stattfinden, zu verhindern.

Praktisch, jetzt kommen wir alle, die einen Hund haben, zum Zug, weil ein paar danebengelaufene Hundehalter entweder das Gefahrenpotential ihres Hundes unterschätzt, ihn nicht erzogen haben und somit nicht kontrollieren können, oder eben im angetrunkenen Zustand durch die Straßen torkeln, was es einem Hund ja leicht macht, sich der Kontrolle zu entziehen.

Ich habe da so meine grundsätzlichen Gedanken, die ich jetzt mal niederschreiben möchte. Wer mich zerhacken möchte, kann das dann gerne tun, aber vielleicht doch zuerst mal überlegen.

Ich war selbst Besitzer eines scharfen Hundes. Ich habe sein Gefahrenpotential erkannt und mir war klar, dass man aus ihm keine Mieze machen kann. Dieser Hund war uns bzw. seiner Familie treu ergeben, hat aber alles, was sich uns genähert hat, als Gefährdung eingestuft und sein eigenes Ding gemacht. Solange er seine Kommandos bekam, war die Welt in Ordnung. Man sieht aber nicht immer dorthin, wo der Hund hinschaut und irgendwann kommt der Tag „x“ …

Nur zu Info, auch wenn der Hund auf eigenem Grund und Boden jemanden beißt oder nur kratzt, auch wenn der Hund nur seinen Job verrichtet, es gibt eine Anzeige wegen „schwerer Körperverletzung“, Punkt. Ob man das nun für richtig befindet oder nicht. Es ist so.

Große Hunde, und damit meine ich keinen Pudel oder Cocker Spaniel, gehören meines Erachtens nicht im Brustgeschirr geführt, sondern am Halsband, um in der Not den Kopf, dort wo die Waffe des Hundes sitzt, aus der Gefahrenzone ziehen zu können. Dreht der Kopf, dreht auch der Körper. Deswegen werden Pferde auch am Halfter von A nach B geführt und nicht am Brustgeschirr.

Es gibt Rassen, die haben eine höhere Triebveranlagung als andere. Aus einem Mops eine reißende Bestie machen zu wollen, wird schwierig. Vermutlich erstickt das Tier vorher. Genauso wie ein Windhund nicht das Potential hat, ein scharfer Wachhund zu werden. Rassen wurden zu etwas gezüchtet und jahrelang daraufhin selektiert. Wäre ein Pudel ein so guter Polizeihund, würde man ihn verwenden. Da er aber als Zirkushund besser kommt, weil er süß ausschaut und eben schlau ist, erlernt er Kunststücke eben leichter. Der Rottweiler gehört nunmal zu den Diensthunderassen, da er das Potential dafür besitzt. Er ist groß, schwer, massig, abrichtbar und furchtlos. Pitbulls und Amstaffs wurden für Hundekämpfe selektiert. Daher auch die Bezeichnung „Kampfhund“, die überdies auch für andere Rassen gilt, die auf Schärfe und Härte selektiert wurden. Das ist kein Geheimnis, man hat das gemacht, was nicht heißt, dass jetzt alle Rottis und alle Pits oder ähnliche Artgenossen böse sein müssen. Es ist auch nicht jeder Zuwanderer ein Mörder, weil sich einige von ihnen einfach nicht benehmen können und nicht jeder Autofahrer ist automatisch ein Alkoholiker, nur weil immer wieder welche alkoholisiert hinterm Steuer erwischt werden. Genauso wie es Menschen gibt, die man als gefährlich einstuft, gibt es auch Hunde, die einfach einen an der Klatsche haben, ohne das ihnen je Böses angetan worden ist. Dazu kommt der stetige Bewegungsmangel durch Leinenpflicht, kaum die Möglichkeit, der Bewegungslust des Hundes nachzukommen, das oft nicht mal beabsichtigte Unverständnis des Hundebesitzers und der Zwang, in eine Verhaltensschema hineingepresst zu werden, dass der Hund vielleicht gar nicht will. Aber wir Menschen empfinden es so als richtig und wenn der Hund nicht ist, wie wir ihn gerne hätten, ist er eben „gestört“.

Bitte, „gestört“ ist der Hund dann, wenn er sich losreißt, blindlings auf das nächstbeste Kind zurennt und es mehr oder weniger tötet. Gestört ist ein Hund dann, wenn er sofort auf eine wehrlose, alte Frau losgeht, weil sie im Garten gestürzt ist. Solche Tiere „resozialisieren“ zu wollen, ist meines Erachtens ein Himmelfahrstkommando. In etwas so, als würde man bei einer Handgranate den Stift ziehen, den Auslöser mit Tixo ankleben und hoffen, dass es hält. Irgendwann löst sich der Kleber aber dann doch und … bum.

Hunde, die blind auf Menschen losgehen, gehören ganz sicher nicht in unsere Gesellschaft. Auch wenn die Dame in Wien nicht alkoholisiert gewesen, sondern nur gestürzt wäre und dabei die Leine losgelassen hätte, wäre genau dasselbe Dilemma passiert. Was kann der kleine Junge dafür? Wie müssen sich die Eltern fühlen? Eine schreckliche Vorstellung.

Aber hilft nun eine Promillegrenze bzw. eine flächendeckende Beißkorbpflicht?

Nun, ich würde sagen, in Stadtgebieten, wo sich viele Menschen bewegen, auch Mamis mit ihren Kindern, macht das sicher Sinn. Aber was ist mit den Rassen, die keinen Beißkorb tragen können. Möpse oder Bulldoggen? Sind die dann ausgenommen? Gibt es für einen Chi überhaupt einen Beißkorb? Oder werden wir Hundebesitzer jetzt alle dazu genötigt, uns mit unseren Hunden zu verstecken?

Über das Jahr gesehen, sterben mehr Menschen durch Alkohol im Straßenverkehr, trotz Verbot und Promillegrenze. Warum hat man das Autofahren noch nicht verboten oder den Alkohol abgeschafft?

Wenn man überlegt, wie viele Hunde in unseren Haushalten leben, passiert eigentlich ziemlich wenig, aber ein totes Kind ist eben ein totes Kind zu viel.

Ganz ehrlich, ich würde die Zucht und Haltung diverser Rassen grundsätzlich verbieten. Es gibt über 400 Rassehunde (wenn nicht sogar noch mehr), etwa 20 werden als gefährlich eingestuft. Sie bezeichnet man als „Listenhunde“. Ja, warum muss man so einen Hund haben? Findet man sich unter den 380 verbliebenen kein anderen? Wer so einen Hund haben will, soll angeben, warum er so einen Hund braucht, wo er ihn halten will und sollte zusätzlich mit schweren Auflagen belegt werden, wenn er die Genehmigung bekommen sollte, einen „Listenhund“ halten zu dürfen. Die Leute, die mir bisher mit schweren Molossern oder Fleischerhunden begegnet sind, waren hauptsächlich Menschen, die sich über den Hund definiert haben und angeben wollten. War der Hund auch noch gemein und wild, war‘s grad recht. Natürlich gibt es auch solche, die sich ihrer Verantwortung durchaus bewusst sind, nur ist es verdammt schwer, die einen von den anderen zu unterscheiden. Niemand braucht wirklich einen Rottweiler, einen Pitbull, einen Bandog, einen Cane Corso, einen Dogo Argentino und wie sie alles heißen. Ja, oft sind es sogar sehr angenehme Hunde, groß, aber lieb. Aber wer sagt mir das, wenn ich als Mama mit meinem Kind die Straße entlang gehe und mir so ein Riesenvieh entgegenkommt? Man geht davon aus, dass der Besitzer das Tier in der Hand hat, aber wie wir festgestellt haben, ist das nicht immer der Fall.

Egal, wie man es jetzt sieht, ich finde, das ach so schlimme Kettenhalsband ist ein Instrument, mit dem ich in der Gefahrensituation den Hund vielleicht noch halten kann, denn nicht selten brechen die Schnappverschlüsse der herkömmlichen Halsbänder auseinander. Gibt ein Hundebesitzer seinem Hund mal einen Bock oder zupft ihn am Fell zu sich heran, ist er noch lange kein Tierquäler, sondern hatte vielleicht eine heftige Meinungsverschiedenheit mit seinem Hund. Mit einem Brustgeschirr ist es nicht möglich einen großen Hund zu kontrollieren, wenn der gerade beschlossen hat, nicht mehr zu reagieren. Große Hunde sollten am Halsband geführt werden, um den Kopf zur Seite ziehen zu können und mit einer festen Handschrift tut man einem Hund keine „Gewalt“ an, sondern klärt lediglich, wer das Sagen hat.

Ich bin oft mit mehreren Hunden draußen. Auch ich liebe es, meine Hunde laufen zu lassen. Aber ich will nicht, dass meine Hunde eine Gefährdung für Wildtiere, für andere Hunde oder für Menschen darstellen. Ich lasse meine Hunde nicht weit von mir weg, rufe sie sofort heran, wenn sich andere Hunde nähern und lasse sie grundsätzlich nicht von mir weg, wenn wir menschlichen Gegenverkehr haben. Es gibt Menschen, die haben schlicht und einfach Angst. Wer gehen zur Seite und lassen anderen immer den Vortritt. Bemerken wir andere Hunde, ist es mir sehr recht, wenn ich sehe, dass der Besitzer zupacken kann und keinen Laternenmasten braucht, um seinen Hund zu halten.

Wir haben mit unseren Hunden Verantwortung übernommen und grundsätzlich ziehen wir als Hundebesitzer immer den Kürzeren, wenn etwas passiert. Wenn wir also nicht wollen, dass das Halten von Hunden immer mehr zum Versteckspiel wird, dann sollten sich alle ihrer Verantwortung bewusst werden. Es gibt schon viele, die das tun, aber es reichen jene, die es nicht tun, damit wir vom Gesetzgeber alle in denselben Topf geworfen werden.