Gespannfahren

Das erste, was mich Menschen fragen, wenn sie das Wort „Gespannfahren“ hören, ist …. was ist das? Was macht man da?

Ich war immer der Meinung, dass man das weiß. Beim Wort Kutschenfahren weiß man ja auch, dass Pferde, und das können sehr viele sein, eine Kutsche ziehen. Aber selbst beim Wort „Fiaker“ wissen viele schon nicht mehr, was das ist. So ist es auch beim Gespannfahren. Was für mich so selbstverständlich ist, sind für andere böhmische Dörfer. Aber vielleicht nehmen wir ein anderes Wort. „Schlittenhunde“. Damit können schon mehr Menschen etwas anfangen. Hunde, die über Schnee und Eis einen Schlitten ziehen. Nun, Gespannfahren ist nichts anderes, denn die Hunde, die man vorne anspannt, nennt man im Ganzen Gespann. Das können zwei, drei oder vier, aber auch dreizehn, vierzehn oder mehr Hunde sein. Je größer das Gespann, desto schwieriger wird es, das Gespann zu fahren und zu lenken, besonders dann, wenn man nicht mitten im ewigen Eis lebt, sondern auf Straßen und Wege angewiesen ist. Wir haben auch keinen Schlitten, sondern einen Wagen, den die Hunde ziehen. Mit Schnee sieht es bei uns eher mäßig aus. Ich würde maximal Gatschschlittenfahren können. Aber mit dem Trainingswagen ist das schon eine andere Geschichte. Der läuft auf Rädern.

Gespannfahren kann man auch mit dem Fahrrad, oder dem Scooter (Roller) oder man lässt sich beim Joggen ziehen (Canicross). Sinn der Sache ist, dem Hund Bewegung angedeihen zu lassen. In der heutigen Zeit sind wir gezwungen, unsere Hunde an die Leine zu binden. Laufen lassen ist oft nur noch in der Freilaufzone oder irgendwo versteckt im Hinterholz möglich. Ständig eckt man mit Menschen an, die den freilaufenden Hund gar nicht gerne sehen. Jäger, Spaziergänger, Menschen mit anderen Hunden, Reitern, was auch immer. Obwohl der eigene Hund noch gar nichts getan hat, als die falsche Luft zu atmen, wird schon diskutiert. Das Vieh gehört an die Leine, minimum mit Beißkorb versehen. Jetzt ist aber der Hund ein Lauftier (von Rassen, die eh kaum Luft bekommen, mal abgesehen). Ein Wolf musste früher weite Strecken zurücklegen um Beutetiere zu finden und auch bei der Jagd selbst mussten sie der Beute oft lange hinterherlaufen. Hunde sind zum Laufen geboren und sie würden es auch gerne machen, wenn wir es ihnen nicht verwehren würden. Sehr oft sehe ich vollkommen überfütterte, richtig fett gefressene Hunde, die ihr Umfeld nur von der Leine aus kennen und das Galoppieren mit gestrecktem Körper nur aus dem Fernsehen kennen. Aber dieses Laufen dient der Gesunderhaltung der Gelenke, Sehnen, Bänder wie auch des gesamten Organismusses. Auch wir Menschen sollten uns viel an der frischer Luft bewegen, weniger essen und zusehen, nicht kugelrund, dick und fett zu werden. Das gilt aber auch für den Hund.

Oft hört man auch, das Tier ist nicht ausgelastet. Man müsste ihn geistig beschäftigen, damit er das und das und das nicht tut. Die Menschen laufen mit ihres Dogs in Hundeschulen, machen AG, Mentrailing, Schutz, Obidience und was weiß ich, was es nicht noch so alles gibt. Ich glaube aber persönlich, dass der Hund zumindest gelegentlich auch körperliche Auslastung, in Form von Laufen, was ja in seiner Natur liegt, braucht. Es geht ja dabei nicht nur daraum, wie der Henker geradeaus zu rennen, sondern auch auf den Musher (Typ der Schlitten oder Wagen lenkt und das Gespann fährt) zu hören. Links und rechts sollte genauso sitzen, wie ein langsamer werden oder ein Halten. Auch das Anfahren muss geübt werden. Es empfiehlt sich auch, den Hunden das „vorbei“ beizubringen, wenn man zum Beispiel an anderen Menschen vorbei fahren muss. Auch das „zur Seite“ ist gar net so doof, wenn man Gegenverkehr hat (Auto, Traktor, usw.) Auch Radfahrer sollten nicht einfach huckepack genommen werden, die nehmen einem das so richtig krum und wenn Reiter aufkreuzen, ist es besser, stehenzubleiben, denn Pferde, die sowas zum ersten Mal sehen, glauben an eine übergroße, bellende Schlange, die Pferd innerhalb von Sekunden verschluckt. Pferde scheuen im Allgemeinen vor Gespannen, schalten den Fluchtmodus dann ganz gerne ein, was ja niemand riskieren will. Je größer das Gespann in der zuvilisierten Welt (das ewige Eis ist die wilde Welt) also ist, desto besser sollte die Kontrolle darüber sein. Hat man freie Bahn, kann man immer noch Gas geben und die Hunde nach Genuß toben lassen.

Es gibt beim Gespannfahren einige Dinge zu beachten, falls es jemand mit seinem Hund versuchen möchte. Man fährt nur bei kühlen Temperaturen, besonders wenn man Hunde mit dichtem Fell hat. Huskys, Malamuts, Grönländer, Wolfhunde, wie auch der Sandros Leisha Dog, sind Robusthunde mit sehr dichtem Fell. Bei hohen Temperaturen kann es passieren, dass der Hund überhitzt, da es ihm nur möglich ist, sich über das Hecheln zu kühlen. Also, ab 15 Grad plus ist Schluss mit fahren und wenn, dann nur ganz kurze Einheiten, zb. zum Antrainieren. Ab 20 Grad aufwärst geht gar nichts mehr, wenn man seinen Hund nicht umbringen möchte. Das gilt übrigens auch für das Fahrradfahren. Hunde laufen gerne, aber nicht bei jeder Temperatur. Ist es draußen warm, kann sich der Hund nicht über das Schwitzen kühlen. Ihm wird heiß, er überhitzt und dann … Exitus.

Im Winter …. ja, da ist der Mensch oft derjenige, der keinen Bock hat, weil es eben kalt ist. Aber gerade da haben die Hunde Freude beim Laufen, also raus mit den Gebeinen.

Wir haben das Fahren für uns entdeckt, weil es einfach Spaß macht. Wir fahren keinen Rennen oder Wettbewerbe mit, wir haben einfach Lust, mit unseren Hunden durch die Natur zu fahren und sehen es hinterher gerne, wenn jeder Wuff abends auf seinem Platz liegt und die Gebeine ausruhen muss. Sie sind müde und zufrieden. Fahren kann man überdies mit allen Rassen, die Freude am Laufen haben. Es gibt Huskys, die haben keinen Bock im Gespann mitzulaufen und verweigern das Fahren. Ja, das ist Persönlichkeit. Dann gibt es Golden Retriever, die machen das mit Begeisterung. Ich habe schon eingespannte Border Collies, Jagdhunde, Jack Russell Terrier und Michlinge aller Art gesehen. Wer Spaß daran hat, darf laufen.

Solltet ihr damit anfangen, dann langsam. Vielleicht mit den Fahrrad. Zu zweit geht es leichter, als allein. Den oder die Hunde nicht überfordern, sondern ihnen den Spaß daran zeigen, was aber nicht geht, wenn sie gleich am ersten Tag mit blutigen Pfoten heimkommen. Also, kurze Touren am Anfang, die man dann ausdehnen kann. Kriegen die Hunde, wie unsere schon einen Tickaus, wenn man ihnen die Geschirre anlegt, rennen sie hüpfend und bellend durch die Gegend, weil sie es kaum noch erwarten können, dann wisst ihr, was lustig ist.

Hier Bilder und Videos von unseren Winter und Frühjahresfahrten.

Anspannen von fünf Hunden vor den Wagen

  

Meine manchmal dämlichen Kommentare einfach überhören, hahahaha. Zur Erklärung, wir sind meist zu zweit unterwegs. Ich stehe auf dem Wagen, mein Sohn sitzt drauf. Es kommt also ordentlich Gewicht zusammen, welches die Dogs ziehen müssen. Deswegen bewegen sie sich auf den Wegen meist im Trab.

Fünf, sechs und sieben Hunde im Gespann, auf gehts!

Tja, und ein Schlammbad gehört hin und wieder auch dazu. Wie gesagt, rasten erlaubt, wir trainieren für kein Rennen, wo Stops ein no go sind. Wir genießen unsere Fahrten.