Wie ist er denn … der Malamute?

Ein Malamut ist eine sture Mistsau!!!!!!!!!!

Etwas, was ich immer und immer wieder höre. Nordlandhunde sind unfolgsam, unerziehbar, man kann sie nicht allein lassen, die jagen und manchmal möchte man sie erschießen. Unweigerlich muss ich bei diesen Worten immer wieder grinsten, denn …. hey, ich habe so ein paar Nordlanddinger und ich weiß, was diese Leute so meinen. Dennoch möchte ich so manches ins rechte Licht rücken, damit etwas mehr Verständnis für diese Hunde aufkommt.

Abrichtung: Zuerst möchte ich mal erklären, dass es einen Unterschied gibt, zur „Abrichtung“ und zur „Erziehung“. Bei der Abrichtung lernt man dem Hund auf ein akustisches oder sichtbares Signal etwas zu tun, also zu reagieren. Ein Hund, der auf die Entfernung auf das erste „Platz“ hinfällt, als wäre er vom Boxhandschuh getroffen, ist auf dieses Signal hin trainiert. Ein Hund, der auf „geh, leg dich nieder“ sich irgendwo im Haus hinlegt und Frieden gibt, hat einfach gelernt, dass jetzt Ruhe ist. Ein Hund, der im Straßenverkehr auf „Fuß“ sofort an der Seite seines Besitzer klemmt und ihn anhimmelt, ist abgerichtet, ein Hund, der mitgeht, dabei nicht an der Leine zieht und ohne groß befehligt zu werden, anständig mitgeht, ist erzogen. Es gibt Rassen, die sind so gottergeben, dass sie jedes Kommando sofort ausführen, ohne groß darüber nachzudenken, ob er Sinn macht. Es gibt auch Rassen, die sind so leichtführig und clever, dass sie ihren Job nahezu schon allein ausführen. Ein Border Collie, wäre ohne den Trieb zu hüten, kein so guter Hütehund geworden. Der Hütetrieb ist bei ihm angeboren. Beim Vorstehhund ist das „Vorstehen“, also das Verharren auf der Stelle, genauso angeboren, wie auch beim Kelpie, das Hechten über die Schafkörper und das Weitertreiben von dort aus, angeboren ist. Das sind Rassen, die wurden dafür gezüchtet und gewisse Verhaltensmuster selektiert, sodass deren Ausprägung stark vorhanden ist.

Typisch flacher Gang eines Border Collies bei der Arbeit

Verharrende Haltung eines Vorstehhundes beim Vorstehen.

Kelpie bei der Schafarbeit auf dem Rücken der Schafherde.

Grundsätzliches:

Der Malamut ist ein Nordlandhund. Er ist einer der ältesten, arktischen Hunderassen überhaupt, die seit 2000 Jahren Güter über das Eis befördert haben. Benannt wurde er nach dem Indianerstamm „Malemute“. Als Gruppenhund musste er freundlich sein, im Gespann mit anderen Hunden funktionieren und machen Gespanne bestanden aus über zwanzig Tieren. Er musste umgänglich sein, robust, aber auch keine Pfeife, da das im arktischen Gegenden eher hinderlich war. Eine Malamute ist durchaus ein würdevoller Hund, der durchaus leistungsbereit, ergeben, anhänglich und auch folgsam sein kann, wenn man beachtet, dass er eben kein Befehlsempfänger ist und sinnlose Kommandos erkennt. Ein Malamute überlegt eben, warum er sich bei einem gerufenen „Platz“ hinlegen soll, wenn keine Veranlassung besteht. Obwohl er das Kommando vielleicht genau kennt, interessiert ihn die Ausführung Nüsse, da keine Sinnhaftigkeit besteht. Ihn dann zu bestrafen, weil er es eben nicht ausgeführt hat, führt zu Unverständnis beim Hund. Zudem sind sie nicht so Aufnahmefähig wie zum Beispiel ein Belgischer Schäferhund und triebig sind sie schon mal gar nicht. Das ist aber genau das, was auf unseren Hundeplätzen verlangt wird. Ein sofort folgender Hund, der mit Beißwurst oder Balli motiviert werden kann und sich freut, wenn er etwas machend darf. Es gibt wenige Malamutes, die sich auf einem Abrichteplatz wirklich wohl fühlen. Sie sehen hinter der Abrichtung, hinter dem Programm keinen Sinn und machen es nur bedingt mit. Man wird irgendwann scharf an seine Grenzen stoßen, da ein Malamute zwar das Gedächtnis eines Elefanten hat, aber die Auffassungsgabe einer toten Katze. Es braucht, bis sie etwas erlernen und es braucht noch viel länger, bis sie kapieren, dass der Menschen einfach will, dass man sinnlose Kommandos ausführt. Den Schlitten oder Wagen zu ziehen, macht für den Hund Sinn. Sie laufen gerne und wenn hinten was dranhängt, ist ihnen das eigentlich egal, Hauptsache man darf laufen. Das Laufen in der Gemeinschaft, also im Gespann ist zudem noch wesentlich spannender. Kommandos wie geradeaus, links, recht, halt haben sie schnell intus und sie lernen sehr schnell, selbst Entscheidungen zu treffen, was eben die Abrichtung zu problematisch macht, da man da keine Entscheidungen vom Hund haben will, die nicht befohlen worden sind. Malamutes haben auch die Fähigkeit, auf das Wetter zu reagieren oder Gerüche wahrzunehmen, die Gefahr beinhalten. Leaderdogs, also Leithunde, die an der Spitze des Gespannes laufen, sind meist äußerst clevere Hunde mit Erfahrung. Sie beherrschen nicht nur die Kommandos, sondern bilden mit dem Musher und dem Rest des Gespannes ein Team, sodass alle gut ans Ziel kommen. Dabei meine ich jetzt keine Rennen, wo es darum geht möglichst schnell eine gewisse Distanz zurückzulegen, sondern es geht um das Ziehen an sich. Zum Beispiel wenn Waren befördert werden müssen. Malamutes erkennen auch, ob eine uneinsehbarer Weg gefährlich ist, oder nicht. Vorausgesetzt, sie sind mit diesen Dingen konfrontiert. Diese Fähigkeiten gehören trainiert, sonst schlafen sie schlicht und einfach ein.

In unserer Gesellschaft wird ein folgsamer Hund verlangt, der Kommandos beherrscht. Malamutes können sogar bei zu viel Druck diesen Kommandos ausweichen oder heftig erklären, dass das ihnen zu blöd ist. Meist wird die Schuld dem Hund gegeben. Er ist stur, ein Arschloch, gehört trainiert, und, und, und. Nein, es ist nicht deren Sturheit, es ist deren sicheres Bewusstsein ihrem Umfeld gegenüber. Will mit einen Malamute haben, der sich folgsam zeigt, dann sollte man ein Bündnis mit ihm eingehen. Er wird willig einige Kommandos lernen, wenn man es nur ab und an verlangt und nicht ständig einsetzt. Erklärt man einem Malamut mit der Sprache des Körpers, was er zu tun hat, zum Beispiel beim Ziehen an der Leine, dann wird er es lassen, wenn man selbst sicher auftritt. Kann man diese Bindung nicht aufbauen, zeigt einem der Malamut schnell den Stinkefinger und lässt den Menschen eben Mensch sein.

Die Jagd: 

Die meisten Nordländer sind hervorragende Jäger und machen es auch mit Leidenschaft. Ich werde immer wieder gefragt, ob meine Hunde ein jagen, denn das wäre ein NO GO. Nun, einem Robusthund wie dem Malamute  das Jagen abzugewöhnen, ist ungefähr genauso, als würde man in der Wüste staubwischen. Kaum einer dreht um und kommt folgsam zurück, wenn der Hase vor ihm aufgesprungen ist. Den will er haben und Malamutes töten auch. Der eine mehr, der andere weniger, aber sie sind durchaus in der Lage einen Hasen oder auch ein Reh umzubringen und meist wissen sie auch wie. Natürlich gibt es Nordlandhunde, die sich von der Jagd abhalten lassen, die zurückkommen, die sich brav unterordnen und zeigen, wie gut sie erzogen sind. Geben tut es das alles, es ist aber nicht die Regel. Wer einen Malamute haben will, muss sich irgendwas ausdenken, wie diesen Hund bewegen. Dabei bietet sich der Zugsport wirklich toll an. Entweder vor dem Fahrrad, mit dem Scooter, bei mehreren Hunden vor dem Wagen, auch Skateboard oder Rollschuhe habe ich schon gesehen, was ich mir aber gefährlich vorstelle. Aber das ist einfach etwas, was diesen Hunde wirklich gut gefällt und dabei kann man sehr gut Kommandos einbauen, die man dann einfach braucht und die auch Sinn machen. Links, macht Sinn, rechts, macht Sinn, geradeaus, macht auch Sinn, Halten, auch und wenn wirklich ein Reh auftaucht, ist der Hund sowieso an der Leine. Fahrräder, Scooter, auch Trainingswägen besitzen Bremsen. Man kann seinen Hund also einbremsen.

Malamut vor dem Fahrrad

Malamutgespann im Winter vor dem Schlitten

Wann ist man Malamutreif: 

Gute Frage, aber nicht ganz unwichtig, da sich viele Menschen ihren Hund nach der Optik kaufen und nicht nach deren Wesen. Ein Malamute ist optisch ein wundscherschöner Hund. Aber in der Stadt ist der Hund einfach unglücklich. Wohnt man also mitten in der Stadt, in einer Zweizimmerwohnung, hat man lediglich Freilaufzonen und wenig Freiraum, dann legt auch bitte keinen Malamute zu. Er ist eine Robustrasse und für die Natur ausgerichtet, nicht für das Leben als Großstadtindianer. Dieses eingesperrte Leben macht ihn krank.

Einen Malamute kann man sich dann zulegen, wenn man am Land wohnt und Wege hat, wo man sich ungehindert bewegen darf. Man sollten wissen, dass der Malamute kein Befehlsempfänger ist, aber auch nicht behaupten, er sein nur stur. Er ist anders, denkt anders, ist manchmal etwas langsam, das hat nix mit Sturheit zu tun. Sie sind eben keine Schäferhunde, die Habt Acht stehen, wenn der Chef ruft. Malamutes haben ihre eigenen Ideale und wollen auch nicht, dass man ihr Selbstbewusstsein ankratzt. Sie haben Würde. Arangiert man sich damit, verzichtet man auf wöchentliche Besuche am Hundeplatz, wo genau das gemacht wird, auf das der Malamute keinen Bock hat, erzieht man ihn so, damit er nicht schlecht auffällt und gönnt man ihm seine Bewegung und auch das Laufen, hat man einen sehr, sehr angenehmen, charmanten, auch witzigen Partner an seiner Seite.

Gespannfahren:

Es gibt wenige, die das Gespannfahren kennen und noch viel weniger, die auf die Idee kommen, es auch mal zu versuchen. Es macht tierischen Spaß, der Hund ist angeleint, also kann niemand was sagen und selbst der Malamute lässt sich darauf trainieren, sich auf der Straße sittsam zu benehmen. Er ist eigentlich kein Geschwindigkeitsläufer. Für den Rennsport gibt es schon ganz andere Rassen, weit weg von den Nordlandhunden, da Hundeschlittenrennen unter anderem auch im Sommer ausgetragen werden und der Nordlandhund dafür einfach zu viel Fell hat. Es werden Jagdhunde eingespannt, oder Kreuzungsprodukte, die mittlerweile sehr eigene Namen haben und komisch aussehen. So zum Beispiel der Alaskan Husky. Man kreuzte unterschiedliche Polarhunde und kreuzte dann Jagdhunde und auch Windhunde dazu, um den optimalen Rennhund zu erhalten. Man sagt, dass sie besser im Rudel funktionieren und schneller sind. Vermutlich wird bei diesen Hunden auch das Fell wesentlich kürzer, sodass der Hund weniger schnell überhitzt. Ziel dieser Züchtungen ist nicht das Aussehen, sondern der taugliche Rennhund. Auch der Europäische Schlittenhund ist ein Kreuzungsprodukt aus Deutsch Kurzhaar, Pointern, Skandinavischem Hound, vermutlich auch Huskys und Windhunden. Man wollten einfach einen tauglichen Rennhund, der sich stark an seinen Besitzer bindet und nicht die Eigenheiten des Nordländers hat.

Wir persönlich fahren keine Rennen. Wir fahren, weil es Spaß macht und im Sommer, wenn uns die Hitze zwingt zuhause zu bleiben, fahren wir eben nicht. Der nächste Herbst wird sicher kommen. Wir bleiben bei den Malamuts und den Sandros Leisha Dogs und freuen uns, gesunde und robuste Hunde zu haben, die dem Urtyp noch am nächsten kommen.

Urform des Malamutes. Viel hat sich nicht verändert.